Halbzeit

By dünenvagabundin

Vier Wochen bin ich nun schon hier. Und wie ist es? Es ist so normal. So normal, hier zu sein. Ich lebe hier einfach. Und genau das wollte ich ja auch. Leider habe ich das Zeitgefühl für Wochen nicht völlig verloren, nur das für einzelne Tage. So sehe ich mit Schrecken, dass es nur noch wenige Wochen sind bis zum Ende dieser Auszeit. Ich freue mich über beides gleich intensiv: darüber, hier zu sein, und darüber, „bald“ wieder in Berlin zu sein.

In Berlin ging mir vieles auf die Nerven, in der letzten Zeit dort. Vieles, dachte ich, sei verzichtbar, besonders die speziellen Attribute der Großstadt. Jetzt freue ich mich wieder auf die schönen Seiten der Stadt: auf Sommer im Kiez, wenn die Hitze über dem Asphalt flirrt. Auf die bunten, vielfältigen, jungen Menschen (die auch mal andere Klamotten anhaben als die einschlägigen Outdoor-Marken), auf die Kreatitivät die sie ausstrahlen. Auf den Flohmarkt, den Latte macchiato bei „Il barista“, auf Pasta Presti bei Roberto, auf ein Flens im „Feuermelder“. Auf mein Bett, unsere gar so köstliche Kaffeemaschine, eine eigene Waschmaschine in der Wohnung, und meinen Blumenmeerbalkon.

Und gleichzeitig Wehmut, mein neues Heim hier zu verlassen. Das Möwengeschrei am Morgen, den Sand überall, das tägliche Füße in Strand-Wasser-Sand haben, die Nähe zum Meer, und zu mir selbst, das unbeschwerte Radfahren, die Leichtigkeit des Daseins.

Ein lieber Mensch hatte mir zum Abschied gemailt: „Du machst alles richtig, Ankerfrau“. Ja, recht hatte er. Jetzt weiß ich es auch: alles ist genau richtig so, wie es ist.

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