Ist Heimat der Ort, an den das Herz aus Liebe zu Menschen will?
Oder ist Heimat der Ort, an den das Herz aus Liebe zum Land will?
H. sagt: „Ja, meine Kleine, das Herz hat zwei Flügel“.
Und welcher Flügel entscheidet nun?
Ist Heimat der Ort, an den das Herz aus Liebe zu Menschen will?
Oder ist Heimat der Ort, an den das Herz aus Liebe zum Land will?
H. sagt: „Ja, meine Kleine, das Herz hat zwei Flügel“.
Und welcher Flügel entscheidet nun?
Als hätte ich den Ort beseelt … oder er mich … wir beide uns. Heimatgefühle. Zum ersten Mal? Erinnerungen, an so vielen Plätzen, Orten, Wegen. Wie in Berlin im eigenen Kiez. Zuhause sein. Hallo hier, Moin dort.
Als wären Reste von mir über all die Aufenthalte hier geblieben, hätten Spuren hinterlassen. Als hätten Teile von mir sich eingenistet hier im gelobten Land. In Strandkörben, auf Sonnenliegen, auf Fahrradsatteln, und Fahrradwegen. Im Supermarkt vor dem Käseregal, im Fahrradschuppen, auf dem Weg ums Haus herum. In den Nordseewellen sogar vielleicht, in einzelnen Sandkörnern, die meine Füße begrüßen wie alte Bekannte.
Sogar der Kellner in der Strandbar meinte: es ist, als wärst Du nie weggewesen. Ja, so ist es. Ich war doch gefühlt nur ein paar Tage fern. So vertraut ist es hier.
Heimat. Noch nie so deutlich wie jetzt.
Gerade mal ein Monat ist vergangen, da war ich wieder im geliebten Land. Hochsaison, und Kitesurfworldcup. Wow – harter Kontrast zu meiner Auszeit in der Nebensaison, in der ich zum Teil den Strand für mich allein hatte. Jetzt: Menschen über Menschen. Muss ich nicht für länger als ein langes Wochenende haben. Aber für das: war es mal wieder genau richtig so, wie es war. Festivalgefühl, Partylaune mit meiner Nordseefreundin J., Piccolo aus dem Glas in der Strandbar, Piccolo aus der Dose (ich nenne ihn „Tussisekt“) im Strandkorb, mutiger Sprung in die Nordsee, Wellen über den Kopf schwappen lassen, Flucht vor der Springflut, Wiedersehen liebgewonnener Nordfriesen.
Neues Lebensgefühl des Pendelns zwischen zwei Lebensräumen - so normal, so perfekt.

Es ist laut in der Stadt, voll, viel. Überall ist etwas am Horizont. Totale Reizüberflutung. Alles so schön bunt hier. Die ersten Tage habe ich mich einfach darin treiben lassen, und „nichts“ getan.
In der Tat bin ich neu geworden. Anders aufgestellt, das innere Team von Interessenbekundern, Schwerpunktsetzern, Pläneschmiedern, Erhobene-Zeigefinger-Winkern, subjektiver Zensoren, Aber’s, Ja’s, Nein’s – als hätten sie eine neue Zusammensetzung und Aufstellung. Die Griesgrämigen und Negativen unter ihnen stehen ganz hinten an und haben nichts mehr zu melden. Die Lustvollen, Positiven unter ihnen stehen vorn, und bestimmen den Tag.
Dazu die wohl beste Lektüre nach einer Auszeit: „Dinge geregelt kriegen – ohne einen Funken Selbstdisziplin“ (Lobo / Passig). Fantastisch.
Ich weiß nicht, ob mein prächtiger Zustand an der Auszeit als solcher liegt, oder daran, dass ich vollgesogen bin mit meinem Lieblingsfleckenerde? Jedenfalls, damit es auch schön so bleibt, habe ich fünf Tage nach meiner Rückkehr bereits den nächsten Aufenthalt dort gebucht: ein langes Wochenende Ende Juli. Zum Auffrischen.
Auch wenn der Volksmund die Geschichte von den Festen und wie sie fallen … schon seit Jahrzehnten verkündet – mir ist, als hätte ich jetzt erst wirklich verstanden, was das bedeutet, und wie das geht.
Es gibt einen wunderschönen Mit-Träller-Song mit dem Titel: „This is the first day of the rest of your life“. Den werde ich morgen auf der Heimfahrt nach Berlin hören, rauf und runter, und singen, und lachen, und vielleicht auch ein paar Tränen verkullern.
Ich danke Euch allen fürs Lesen und Interessiert-Sein. Und ich freue mich darauf, Euch wiederzusehen. Sollten Leser unter Euch sein, die ich gar nicht kenne, freue ich mich auch über Kommentare oder Mails (nordstern31 „at“ googlemail „dot“ com).
Ob oder wie es mit diesem Blog weitergeht, weiß ich noch nicht. Wir werden sehen, was in meinem Leben passieren wird, das hier rein passt.
Alles Liebe! Gebt fein auf Euch acht, und freut Euch dieses wunderbaren Lebens,
Eure Dünenvagabundin

Einerseits versuche ich ja, diese „ein-letztes-Mal-Momente“ zu vermeiden. Aber andererseits gibt es doch ab und zu ganz besondere Momente, die einer besonderen Würdigung bedürfen. Zum Beispiel, zum Sonnenuntergang den vordersten Strandkorb auf der Seebrücke zu ergattern. Königinnenloge sozusagen:

Für die beiden Prosecco heute in der Strandbar kann ich nichts. Der charmante Kellner hat sie mir ausgegeben, zum Abschied …

Im Schleudergang wirbeln Sehnsucht nach Berlin, und letztes Aufsaugen des Landes hier, durcheinander. Entsprechend meine Handlungen: schnell noch an den Strand, schnell schon mal ein bisschen sauber machen und packen. Noch mal – schon mal. Die letzten acht Wochen konservieren, in jeder Zelle, jeder Pore, und gleichzeitig die Zukunft vorbereiten. Das Verweilen im Jetzt fällt schwerer.
Gefühle umdefinieren: Wehmut in letzten Genuss, Heimweh in Vorfreude. So entsteht ein bezauberndes Jetzt: Genuss und Vorfreude.
Und bei all dem weiß ich: es ist vorübergehend. Ich komme wieder. Wahrscheinlich noch in diesem Jahr.

… und am Tümlauer Koog:

So schal und wehmütig sonst ein letzter Urlaubstag ist, so scheint sich wohl jetzt die ganze letzte Woche anzufühlen.
Zwei Klöße im Hals: einer hat Heimweh, der andere trauert darüber, dieses Leben an der Küste bald zu verlassen.
Zwei Zeitwahrnehmungen: die eine will, dass ganz bald Freitag ist, die andere will die Zeit anhalten.
Zwei Ichs: eines lebt in der Großstadt, das andere an der Nordsee.
Auch in Zukunft werde ich alle beide sein, und allen beiden ihr Zuhause geben. Aus der ehemaligen Zerrissenheit ist eine Zweigleisigkeit geworden. Klingt doch schon viel friedlicher. Ist es auch.
Langeweile ist so negativ besetzt. Und das ist so falsch. Langeweile ist ein Luxusgut des Müßiggängers, und sehr kurzlebig. Denn in ihr steckt die Frage: was könnte ich tun? Und der fantastische Hintergrund, freie Zeit zur Verfügung zu haben.
Es gibt kein Nichtstun. Etwas tun kann man doch immer, oder tut es sowieso. Sei es etwas kleines, unwichtig scheinendes, oder etwas besonderes, größeres … und schon ist sie weg, die Langeweile … beschert einem frische Impulse und Erlebnisse … und das Bedürfnis kommt wieder, nach genüsslichem Nichtstun, bis es … wieder langweilig wird …
Ein Bad im Luxus. Eine lange Weile haben. Bleib doch noch ein Weilchen.